Gute Aussichten...

Gute Aussichten ...

Ein gefühlt "rascher" Jahreswechsel liegt hinter uns, und ein zudem eher recht milder Winter ermöglicht es, die Außenarbeiten am Erweiterungsneubau für das Labor 28 rasch voranzutreiben. Im Inneren sind einzelne Bereiche be­reits fertig gestellt, so dass zum Jahres­abschluss 2013 das Team des Head Office von Sonic Healthcare Deutsch­land mit Evangelos Kotsopoulos an der Spitze die hier geschaffenen Büroflä­chen beziehen konnte.

Der ebenfalls im 2. OG des neuen Gebäudes angesiedelte Konferenzraum mit Platz für ca. 80 bis 100 Gäste ermöglicht es uns, das umfangreiche Fortbildungs- und Schulungs­programm in eigenen Räumlichkeiten durch­zuführen. Auch die Vorbereitung der Flächen im 1. Obergeschoss, Erdgeschoss sowie Keller für den Einzug des Labors macht große Fort­schritte. Zurzeit wird das unendliche Wirrwarr an IT-Leitungen sortiert und daraus über meh­rere Serverräume hinweg ein ebenso kom­plexes wie leistungsfähiges EDV-Netz instal­liert. Auf diese Weise werden das Bestands­gebäude und der Erweiterungsneubau mit­einander verbunden. Redundante Systeme gewährleisten dabei eine zusätzliche Sicher­heit. Neuen Erkenntnissen angepasst sind auch die Versorgung mit Strom und der Um­gang mit Energie bei der Gebäudenutzung. Eine sinnvolle Wärmerückgewinnung und ein die individuellen Bedürfnisse abbildendes Licht- und Klimakonzept führen zur weiteren Verbesserung der Arbeitsbedingungen im La­bor unter Berücksichtigung moderner ökolo­gischer Anforderungen.

Wir freuen uns nun auf die anstehende In­betriebnahme der Labore im Erweiterungs­neubau, um danach die anstehenden Moder­nisierungsmaßnahmen im Bestandsgebäude in Angriff nehmen zu können. Diese wichtigen organisatorischen Maßnahmen werden zur weiteren Verbesserung unserer Prozesse im Labor an die sich stets verändernden Bedürf­nisse und Ansprüche in der Patientenversor­gung beitragen.

In einem zweiten Schwerpunkt widmen wir uns der aus unserer Sicht wichtigen Frage, in welcher Weise wir als Labor 28 einen Beitrag leisten können bei der Indikationsstellung für Laborleistungen. Hierzu erarbeiten wir aus der fachärztlichen Perspektive des Laborarztes bzw. Mikrobiologen Diagnostische Pfade für wichtige medizinische Fragestellungen. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass im ambulan­ten Bereich andere Schwerpunkte zu setzen sind als in einem stationären Umfeld oder gar in der Situation einer Notfallambulanz eines Krankenhauses. Diesen unterschiedlichen Be­dürfnissen tragen wir Rechnung. Die auf der Basis von publizierten Leitlinien sowie Stan­dards der einzelnen Fachgesellschaften und langjähriger eigener Erfahrungen entworfe­nen Diagnostischen Pfade diskutieren wir an­schließend mit fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen, um auf diese Weise wichtige Hin­weise für die Praktikabilität und die Umset­zung in der täglichen Praxis zu erhalten.

Dieser primär interdisziplinäre Ansatz schafft eine Integration möglichst aller relevanten Aspekte und wird aus unserer Sicht die Etab­lierung der Diagnostischen Pfade in der am­bulanten Versorgung erleichtern. Es ist ebenso vorgesehen, die Wirkungen und Effekte der Arbeit mit Diagnostischen Pfaden zu erfassen und anschließend zu bewerten. Anhand dieser Erkenntnisse erfolgt die Weiterentwicklung und Optimierung des Konzeptes.

Das Labor 28 begleitet die Erarbeitung der Diagnostischen Pfade seit dem vergangenen Jahr mit einer Fortbildungsreihe, an der bisher eine große Zahl von Interessierten teilgenom­men hat. Auch in 2014 sind hierzu Veranstal­tungen geplant. Wir sind davon überzeugt, dass wir durch diesen Ansatz das Zusammen­wirken unterschiedlicher Fachrichtungen an einer medizinischen Fragestellung verbessern helfen. Unterstützt wird das Vorgehen durch die tägliche fachärztliche Beratung aus dem Labor 28 heraus zu individuellen Fragestellun gen bei der Indikationsstellung sowie der Be­fundinterpretation bei zunehmend komplexe­ren Krankheitsbildern.

Die medizinischen Fragestellungen und deren Anforderungen an eine ebenso zielführende wie wirtschaftliche Beantwortung durch diag­nostische Leistungen wie Labormedizin und Mikrobiologie erfordern zudem eine bessere IT-Umgebung, die dem Arzt bei der Indikati­onssteIlung zur Labordiagnostik möglichst alle relevanten Informationen zur Verfügung stellt. So erarbeiten wir zur Zeit mit den Laboren der Sonic Healthcare Deutschland und dem Team von star.net®-Labor, unserem sehr erfolgrei­chen elektronischen Laborauftrags-System, weitere Möglichkeiten, auch die Stufendiag­nostik zusammen mit Hinweisen zur Präanaly­tik in dieses wichtige Arbeitswerkzeug mit aufzunehmen. Die ersten Ergebnisse erfreuen sich zunehmender Beliebtheit in den Anwen­derpraxen.

Insgesamt sehen wir trotz der sehr schwie­rigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die uns durch die bundesweite Quotierung der Laborkostenerstattung gegeben sind, mit opti­mistischem Blick auf dieses Jahr und werden weiter hochmotiviert für eine gute labormedi­zinische Versorgung der Patientinnen und Pati­enten arbeiten.

Der diagnostische Pfad - Ausgabe 44 / März 2014

Der Diagnostische Pfad

Labor 28 wird Ihnen Diagnostische Pfade zu wichtigen Fragestellungen zur Verfügung stellen. Wir möchten damit einen Beitrag leisten, um Ihnen die Versorgung Ihrer Patienten zu erleichtern. Vorerst sind monatliche Veröffentlichungen geplant. Gleichzeitig werden Ihnen die Ärzte des Labors 28 in Fortbildungsveranstaltungen Diagnostische Pfade vorstellen. Die Diagnostischen Pfade sollen im Dialog mit Ihnen entstehen und weiterentwickelt werden. Es sind jährliche Aktualisierungen vorgesehen. 

Worin unterscheidet sich der Begriff Diagnostischer Pfad von anderen Begriffen, wie Stufendiagnostik oder Algorithmus?

Der Diagnostische Pfad ist als Teil eines Klinischen Pfades zu verstehen (s. Abb. 1). Die ersten Klinischen Pfade stammen aus dem Pflegebereich und wurden 1985 im Boston New England Medical Center entwickelt. Ab 1990 wurden Klinische Pfade erstellt, die den gesamten Krankenhausaufenthalt eines Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung beschreiben. Ein Vorreiter war das St Vincent‘s Public Hospital Sydney in Australien. Mit Einführung der DRG (Diagnosis Related Groups) rückten Klinische Pfade auch in Deutschland in den Vordergrund und wurden für standardisierbare Abläufe wie eine Cholezystektomie eingeführt.

Abbildung 1: Klinischer Pfad
Abbildung 1: Klinischer Pfad

Ein Klinischer Pfad ist ursprünglich ein Rahmenkonzept zur Beschreibung und Lenkung aller medizinischen Leistungen während eines Krankenhausaufenthaltes. Er bezieht sich auf eine Patientengruppe und sollte berufsgruppenübergreifend und ggf. interdisziplinär sein. Ziel ist eine Standardisierung diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen. Man erhofft sich eine Verkürzung der Liegezeit, Vermeidung von überflüssigen Maßnahmen und eine Verbesserung der Patientenversorgung. Neuerdings wird versucht, dieses Rahmenkonzept auch auf den ambulanten Bereich zu übertragen.

Vor diesem Hintergrund sind Diagnostische Pfade als labormedizinische Standards im Rahmen Klinischer Pfade zu verstehen. Ein Diagnostischer Pfad dient dazu, die Diagnose zu untermauern oder den Therapieverlauf zu kontrollieren. Häufige Fragestellungen, auch aus dem ambulanten Bereich, dienen als Schwerpunkte für die Auswahl Diagnostischer Pfade. Am Ende eines Diagnostischen Pfades sollte möglichst eine Diagnose bzw. eine Handlungsoption stehen (s. Abb. 2). Die Auswahl der Messgrößen sollte unter Berücksichtigung einer Kosten-Nutzen-Analyse erfolgen.

Abbildung 2: Diagnostischer Pfad
Abbildung 2: Diagnostischer Pfad

Wie entwickelt Labor 28 einen Diagnostischen Pfad?

Zunächst wird eine Auswahl getroffen, für welches medizinische Gebiet ein Diagnostischer Pfad sinnvoll sein könnte. Beispiele hierfür sind Leitlinien der Fachgesellschaften, Diagnosen mit besonderem Laboranteil (z. B. Schilddrüse, Niere, Hypertonus), auffällige Laborwerte beim Screening (z. B. a PTT ↑, Leberenzyme ↑), Erkrankungen, die bisweilen übersehen werden (Eisenmangel, Vitamin B12-Mangel) oder häufige Anfragen  der zuweisenden Kollegen. Daran schließt sich eine intensive Recherche mit Berücksichtigung von Leitlinien, Reviews und neuesten Publikationen an. Ebenso fließt unsere langjährige laborärztliche Erfahrung mit ein. Danach werden die Entwürfe mit klinisch tätigen Kollegen diskutiert, auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft und dann finalisiert. Erst dann erfolgt die Aussendung an unsere Einsender (s. Abb. 3).

Abbildung 3: Entwicklung eines Diagnostischen Pfades
Abbildung 3: Entwicklung eines Diagnostischen Pfades

Welche zusätzlichen Maßnahmen sind geplant?

Wir wollen die Diagnostischen Pfade einmal jährlich aktualisieren, damit Sie ein verlässliches Instrument zur Verfügung haben. Die Anwendung der Diagnostischen Pfade soll durch sinnvolle Stufendiagnostik in der elektronischen Auftragserfassung (star.net®) unterstützt werden. Zweimal jährlich werden wir Fortbildungsveranstaltungen durch unsere Laborärzte und ggf. Gastreferenten zum Themenschwerpunkt Diagnostische Pfade anbieten.

Der Dialog mit Ihnen ist uns ein besonderes Anliegen. Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung, wenn Sie Anregungen oder Verbesserungsvorschläge zu unseren Pfaden haben.

Abbildung 4: Beispiel Arthritis
Abbildung 4: Beispiel Arthritis

Welche Chancen sehen wir in der Anwendung der Diagnostischen Pfade?

Wir führen eine fachliche Klärung im Sinne einer übersichtlichen Stufendiagnostik unter Berücksichtigung von Leitlinien, aktuellen Publikationen und Kosten-Nutzen-Analyse durch. Neuere Messgrößen mit noch nicht vollständig geklärter Aussagefähigkeit sollen eher nicht berücksichtigt werden.

In der Betonung einer Diagnosestellung sehen wir einen wichtigen Beitrag für Ihre Patientenversorgung. Die grafische Darstellung sorgt für Übersichtlichkeit und ist somit didaktisch und eine medizinisch sinnvolle Unterstützung für die einsendenden Ärzte: eine überflüssige Diagnostik wird vermieden, wesentliche Messgrößen werden nicht übersehen.

Literatur:
Hofmann W. et al. Klinikhandbuch Labordiagnostische Pfade.
Einführung - Screening – Stufendiagnostik
De Gruyter, 2012

Nephrotisches Syndrom im Kindesalter - Ausgabe 44 / März 2014

Nephrotisches Syndrom im Kindesalter

Das nephrotische Syndrom beim Kind ist selten und dennoch eine der häufigsten Nierenerkrankungen im Kindesalter. Die Diagnose wird primär klinisch bzw. laborchemisch gestellt.

Ursächlich lässt sich das häufigere idiopathische (primäre) nephrotische Syndrom (> 90 %) von sekundären Formen, z. B. im Rahmen immunologischer Systemerkrankungen, Infektionen, Impfungen oder Tumoren abgrenzen. Das kongenitale nephrotische Syndrom, das meist genetisch bedingt ist, ist sehr selten.

Neben der Ätiologie sind das Alter bei Erstmanifestation, das Ansprechen auf Glukokortikoidgabe und ggf. histologische Befunde wichtig für die Therapie und Prognose dieser ernsten Erkrankung.

Das nephrotische Syndrom ist im Kindesalter definiert durch die folgenden Leitsymptome:

  • Proteinurie (>1 g/m2 Körperoberfläche/24 Std.) bzw. Urin-Eiweiß-Kreatinin-Ratio > 2000 mg/g
  • Ödeme (z. B. morgenliches Lidödem, prätibiale Ödeme, Skrotalödem, Aszites, Pleuraerguss oder Anasarka)
  • Hypalbuminämie (< 25 g/l)
  • Hyperlipidämie

Pathophysiologisch führt beim nephrotischen Syndrom eine Schädigung der glomerulären Epithelzellen (Podozyten) zu einer erhöhten Permeabilität der glomerulären Kapillaren. Die damit verbundene schwere Proteinurie kann initial symptomlos bleiben, da der renale Eiweißverlust zunächst durch eine gesteigerte Proteinsynthese in der Leber kompensiert wird. Unabhängig von der zu Grunde liegenden Erkrankung kommt es in Folge jedoch zu einer Hypalbuminämie. Die typische Ödemneigung resultiert aus dem verminderten onkotischen Druck im Plasma mit Flüssigkeitsaustritt ins Interstitium und wird durch eine deutliche Natrium- und damit Wasserretention begünstigt. Meistens ist eine Hyperlipidämie nachweisbar (erhöhtes Cholesterin und erhöhte Triglyzeride), die durch eine gesteigerte hepatische Lipoproteinsynthese bedingt ist.

Klinisch stehen Ödeme, die sich innerhalb von Tagen bis Wochen entwickeln sowie eine rasche Gewichtszunahme mit Abnahme der Urinausscheidung im Vordergrund. Begleitend treten häufig Inappetenz, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Diarrhö auf.

Thrombembolien (u. a. bedingt durch Hypovolämie und den Verlust von gerinnungshemmenden Faktoren wie Antithrombin), Infektionen (aufgrund des sekundären Antikörpermangels und den Verlust von Komplementfaktoren), akutes Nierenversagen und Lungenödem zählen zu den akuten Komplikationen des nephrotischen Syndroms.

Abb.: Serumeiweißelektrophorese eines 4-jährigen
Abb.: Serumeiweißelektrophorese eines 4-jährigen Jungen mit nephrotischem Syndrom (klinisch seit einigen Tagen Abgeschlagenheit, Inappetenz, Skrotalödem und prätibiale Ödeme): Das Kurvenbild zeigt die für das nephrotische Syndrom typische Dysproteinämie mit verminderter Albumin- und γ-Globulin-Fraktion sowie einer relativen Zunahme der α1- und α2-Fraktion.

Sinnvolle primäre Labordiagnostik
Bei klinisch sichtbaren Ödemen wird zum Screening auf eine Proteinurie zunächst der Urinteststreifen eingesetzt. Zur Sicherung der Diagnose sind die folgenden Untersuchungen empfehlenswert:

  • Eiweiß-Kreatinin-Ratio bzw. Albumin-Kreatinin-Ratio im ersten oder zweiten Morgenurin; ggf. quantitative Gesamteiweiß-Bestimmung im 24 Std.-Sammelurin
  • Gesamteiweiß, Albumin, Eiweißelektrophorese und Immunglobuline i.S.
  • Harnstoff, Kreatinin, Natrium, Cholesterin und Triglyzeride i. S.
  • Blutbild i. EDTA-Blut; Fibrinogen und Antithrombin im Citratplasma

Literatur:

  1. Benz MR, Weber LT. Nephrotisches Syndrom im Kindesalter. Monatsschr Kinderheilkd 2012·160:787-804
  2. Spartá G. Das nephrotische Syndrom im Kindesalter. Pädiatrie 3/13: 21-27; www.ch-paediatrie.ch
  3. Thomas L. Labordiagnostik von Erkrankungen der Niere und Harnwege. In Labor und Diagnose, 8. Auflage; TH-Books Verlagsgesellschaft mbH, Frankfurt/Main 2012

Steckbrief: Clostridium difficile - Ausgabe 44 / März 2014

Steckbrief: Clostridium difficile

Erreger und Vorkommen
Clostridium difficile sind obligat anaerob wachsende Stäbchenbakterien mit der Fähigkeit, aerotolerante Sporen zu bilden. Diese Sporen verleihen dem Erreger eine hohe Umweltresistenz.
C. difficile kommen ubiquitär in der Umwelt und im Darm von Mensch und Tier vor.
Im Darm von gesunden Kleinkindern ist der Erreger sehr häufig nachweisbar (bis zu 80 %). Im Darm Erwachsener, außerhalb des Krankenhauses, ist er vergleichsweise seltener zu finden (< 5 %); allerdings steigt die Darmbesiedlung bei Krankenhauspatienten auf 20 bis 40 %. Pathogene Stämme von C. difficile produzieren Virulenzfaktoren, z. B. Enterotoxin A und Zytotoxin B. Diese können zu einer zytotoxischen Schädigung der Intestinalzellen führen. Besonders unter Antibiotikatherapie kann es zur massiven Vermehrung von C. difficile mit darmwandschädigenden Toxinen kommen.
So beobachtet man in Krankenhäusern in den letzten Jahren einen Anstieg der C. difficile- assoziierten Diarrhö (CDAD), ausgelöst durch Behandlung mit Antibiotika.
Die Antibiotika besitzen in diesem Zusammenhang ein unterschiedliches Risikopotenzial:

  • Hohes Risiko
    Clindamycin, Cephalosporine der zweiten und dritten Generation, Fluorochinolone (Ciprofloxacin, Gatifloxacin, Moxifloxacin, Levofloxacin), Ampicillin und Amoxicillin
  • Mittleres Risiko
    Trimethoprim, Tetrazykline, Imipenem und Meropenem
  • Geringes Risiko
    Aminoglykoside, Makrolide (vor allem Clarithromycin und Azithromycin), Breitspektrum-Penicilline, Ticarcillin, Mezlocillin und Piperacillin, Vancomycin

Infektionsweg und -zeit
Die Übertragung erfolgt fäkal-oral durch Schmierinfektion bei Kontakt mit infizierten Patienten, kontaminierten Händen von Pflegepersonal und kontaminierten Oberflächen (z. B. Rektal-Thermometer, Blutdruck­manschetten).
Die Inkubationszeit kann wenige Tage bis mehrere Wochen betragen.

Klinische SymptomatikErhöhung der Stuhlfrequenz mit breiig, wässrigen Durchfällen, abdominale Schmerzen, gelegentlich Fieber.

Komplikationen
Pseudomembranöse Enterokolitis, Darmperforation, Sepsis, toxisches Megacolon.
Letalität von 1 bis 2 %, bei virulenten Stämmen bis zu 30 %.

Diagnostik
Bei Patienten mit folgenden Kriterien sollte eine mikrobiologische Diagnostik erfolgen:
Patienten mit Diarrhö,

  • die in den letzten 60 Tagen Antibiotika eingenommen haben
  • die zu den Risikogruppen gehören (z. B. > 65 Jahre, Immunsuppression, schwere Grundkrankheit, gastrointestinale Erkrankung)
  • die länger als 3 Tage erkrankt sind ohne andere bekannte Erreger.

Laut Empfehlung des RKI stehen im Labor 28 der spezifische Nachweis der Toxine A und B mittels ELISA (Sensitivität 50 bis 70 %) und der Nachweis der C. difficile Glutamat-Dehydrogenase (GDH) zur Verfügung. Der negative prädiktive Wert des GDH-Testes beträgt 99,8 %. Damit kann C. difficile in der Probe ausgeschlossen werden.

Bei Ausbrüchen dient die kulturelle Anzucht zur Typisierung und Resistenztestung des Erregers.

Proben und Präanalytik

  • ungeformte, breiige Stühle
  • die Stuhlprobe muss bis zur Abholung bei 2 bis 8 °C gelagert werden! (maximale Lagerung 24 Stunden)
  • das Toxin zerfällt bei Raumtemperatur innerhalb weniger Stunden.

Therapie

  1. Absetzen der vorbestehenden Antibiotikatherapie, wenn möglich (dies führt bei 15 bis 23 % der Patienten zum Sistieren der Diarrhö)
  2. Mittel der Wahl zur Therapie ist Metronidazol 4 x 250 mg oder
    3 x 500 mg für 10 Tage, vorzugsweise p. o.
  3. Rezidiv: Wiederholung der Therapie oder
    Vancomycin oral 4 x 125 bis 250 mg kombiniert mit
    Saccharomyces boulardii (Perenterol®).
  4. Bei sehr schweren Fällen (z. B. toxisches Megacolon, Darmperforation) kann Metronidazol
    i. v. mit Vancomycin über die Ernährungssonde gegeben werden. Außerdem sollte bei schwerst verlaufenden Fällen gleich mit Vancomycin begonnen werden, da die Wirkung von Metronidazol verzögert eintreten kann.

Keine Therapie bei asymptomatischen Patienten mit Nachweis eines Toxin bildenden Stammes.

Hygienemaßnahmen
Hinweise zur Anwendung von Barrieremaßnahmen, Isolierung, Reinigung, Tragen von Handschuhen und Schutzkitteln und Desinfektion siehe „RKI-Ratgeber für Ärzte: Clostridium difficile“
Es besteht eine Resistenz von C. difficile gegen alkoholische Desinfektionsmittel, daher muss immer gründliches Händewaschen erfolgen
.

Quelle: RKI-Ratgeber für Ärzte, Costridium difficile, Stand 2011

Diagnostik der Hühnereiallergie mit molekularen Allergenkomponenten - Ausgabe 44 / März 2014

Diagnostik der Hühnereiallergie mit molekularen Allergenkomponenten (Haushuhn: lat. Gallus domesticus)

Die Sensibilisierung gegen Hühnerei betrifft v. a. Säuglinge und Kleinkinder mit einer Prävalenz von ca. 2‑3 %. Sie nimmt aufgrund einer ausgeprägten Tendenz zur Toleranzentwicklung bis auf 0,1 % zum Erwachsenenalter hin ab. 

Ursächlich sind meist Bestandteile des Hühnereiweißes; hierbei sind in erster Linie die folgenden diagnostisch zur Verfügung stehenden molekularen Allergenkomponenten zu nennen:

Ovomucoid (Gal d1 [f233], Majorallergen, 10 % des Gesamteiweißes),
Ovalbumin (Gal d2 [f232], 55 % des Gesamteiweißes),
Ovotransferrin
(Gal d3 [f323], 10-15 % des Gesamteiweißes),
Lysozym
(Gal d4 [k208], 3-4 % des Gesamteiweißes),

Unverträglichkeiten gegen Hühnereiweiß bzw. -eigelb können in Form von Urtikaria, gastrointestinalen bzw. respiratorischen Symptomen (Sofortreaktionen) oder als Spätmanifestationen (Ekzem, eosinophile Gastroenteropathie) auftreten.

Bei klinisch-anamnestischem Verdacht auf eine IgE-vermittelte Hühnereiunverträglichkeit, insbesondere bei zusätzlichem Nachweis von spezifischem IgE im Extrakt-basierten Test (Ei [f245] bzw. Hühnereiweiß [f1]), liefert der Einsatz der oben genannten Allergenkomponenten wertvolle diagnostisch-prognostische Hinweise:

Der Nachweis einer Sensibilisierung gegen das hitzestabile Gal d1 lässt unter Berücksichtigung vorhandener klinischer Symptome Unverträglichkeiten von Hühnerei sowohl in roher als auch in stark erhitzter Form (z. B. Backwaren) erwarten. Ein anhaltend hoher Gal d1-Nachweis wird als Marker für eine Persistenz der Hühnereiweiß-Allergie gesehen1.

Sensibilisierungen lediglich gegen die hitzelabilen Komponenten Gal d2, Gal d3 oder Gal d4 lassen Unverträglichkeiten nur von rohem oder leicht erhitztem Eiweiß erwarten.

Als Besonderheiten zu nennen sind:

Da Ovalbumin (Gal d2) Basis mancher Impfstoffe ist, können Gal d2-Sensibilisierungen allergische Reaktionen auf beispielsweise Influenza- bzw. Gelbfieberimpfungen hervorrufen, während Lysozym (Gal d4) als Zusatz von bestimmten pharmazeutischen Produkten oder Nahrungsmitteln (z. B. Käse, Wein) hier Unverträglichkeiten bedingen kann.

In ca. 20-30 % der Fälle von Sensibilisierung gegen Hühnerei wird eine Kreuzreaktivität zwischen Hühnerei und Hühnerfleisch (Extrakt-Test: f83) beschrieben, deren Grundlage eine Sensibilisierung gegen Eigelb (f75) sein soll, die auch Hühnerfleisch-Unverträglichkeiten hervorrufen kann.

Da auch Kreuzreaktionen zwischen Eiallergenen und Inhalationsallergenen (Serumalbumin) von Vögeln möglich sind, können bei Hühnereiallergikern Symptome bei Exposition mit Vogelfedern und Staub auftreten (Vogel-Ei-Syndrom).

Literatur:

  1. Trautmann A, Kleine-Tebbe J: Nahrungsmittelreaktionen, in: Allergologie in Klinik und Praxis, S. 283 ff; 2. Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2013 

Steuertipp: Sachzuwendungen an Mitarbeiter

Steuertipp: Sachzuwendungen an Mitarbeiter

Aufwendungen des Arbeitgebers für Sachzuwendungen oder Geschenke an seine Arbeitnehmer können regelmäßig als Betriebsausgaben geltend gemacht werden; sie sind allerdings grundsätzlich beim Arbeitnehmer lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig.

Ausgenommen hiervon sind übliche Aufmerksamkeiten aus besonderem Anlass (z. B. Blumen, Pralinen oder ein Buch zum Geburtstag oder zur Hochzeit), wenn der Wert des Geschenks € 40,00 je Anlass nicht überschreitet.

Begünstigt sind auch Zuwendungen in Form von Gutscheinen z. B. zur Einlösung in Tankstellen, Supermärkten oder auch Kaufhäusern. Derartige Zuwendungen bleiben steuerfrei, wenn der Wert des Gutscheins eventuell auch zusammen mit anderen Sachbezügen die Freigrenze von € 44,00 monatlich nicht übersteigt (§ 8 Abs. 2 Satz 9 EStG). Für teurere Sachzuwendungen kann der Arbeitgeber die Lohnsteuer für alle betroffenen Arbeitnehmer pauschal mit 30 % übernehmen. Gutscheine für die Auszahlung von Bargeld sind generell nicht begünstigt.

Zuwendungen an Arbeitnehmer anlässlich von Betriebsveranstaltungen (z. B. Weih­nachtsfeier) bleiben lohnsteuer- und sozialversicherungsfrei, wenn die Zuwendung bei höchstens zwei Veranstaltungen jährlich für den einzelnen Arbeitnehmer insgesamt nicht mehr als € 110,00 pro Veranstaltung beträgt. Nehmen auch Familienangehörige des Arbeitnehmers an der Betriebsveranstaltung teil, rechnet die Finanzverwaltung entgegen der bisherigen Auffassung grundsätzlich nicht mehr den auf seine Begleitpersonen wie Ehegatte, Lebenspartner oder Kind entfallenden Anteil dem Arbeitnehmer zu. Eine Ausnahme besteht allerdings, wenn die Veranstaltung für sich bereits einen sogenannten „marktgängigen Wert“ besitzt und vom Arbeitgeber nicht selbst durchgeführt wird (z. B. wenn die Belegschaft zusammen mit Familienangehörigen ein Musical oder Konzerte weltberühmter Künstler besucht). Dann wäre der auf den Familienangehörigen entfallende Anteil wie bisher dem Arbeitnehmer zuzurechnen.

Wird der Zuwendungsbetrag von € 110,00 überschritten, kann der Arbeitgeber die Lohnsteuer pauschal mit 25 % (zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer) übernehmen (§ 40 Abs. 2 Nr. 2 EStG). Bei Überschreitung wird der gesamte Zuwendungsbetrag abgabenpflichtig.

Seltene Krankheitsbilder - Gastroenterologische Krankheitsbilder

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Es handelt sich um Krankheiten, die trotz ihrer Seltenheit mit gewisser Regelmäßigkeit im stationären und ambulanten Bereich vorkommen. Wahrscheinlich ist bei differenzialdiagnostischem Vorgehen mangelnde „awareness“ Ursache für die häufig zu spät gestellten Diagnosen dieser seltenen Krankheiten. Aus der Vielzahl der in Frage kommenden Erkrankungen erfolgte eine subjektive Auswahl.

Für die Gastroenterologie wurde die Autoimmune Pankreatitis (AIP), die Autoimmune Hepatitis (AIH) und die Darmtuberkulose ausgesucht.

Diese seltenen gastrointestinalen Erkrankungen können – früh diagnostiziert – gut behandelt werden.

Während die AIP tatsächlich selten ist, wird die AIH unterschätzt und zu selten diagnostiziert. Die Darmtuberkulose wird durch Migration und Reiseverkehr häufiger!

I. Autoimmune Pankreatitis (AIP)

Eigenständige Form der Pankreatitis mit diffuser oder fokaler Entzündung des Pankreasparenchyms.

Uncharakteristisches Krankheitsbild, gelegentlich Ikterus und Gewichtsverlust und anamnestisch rezidivierende Pankreasentzündungen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen oder andere Autoimmunerkrankungen.

Es werden zwei Unterformen der AIP unterschieden, wobei der Typ 1 zu den IgG4-assoziierten Erkrankungen zählt (s. Tab. 1).

Tab. 1: Klinische Charakteristika der Autoimmunen Pankreatitis-Typen
Typ 1 Typ 2
Histologische Merkmale „Lymphoplasmazytische sklerosierende Pankreatitis“ (LPSP) „Idiopathische duktozentrische chronische Pankreatitis“ (IDCP)
Mittleres Erkrankungsalter 6. Lebensdekade 4.-5. Lebensdekade
<b>Symptome (Anteil der Patienten, %)</b>
Ikterus 75 50
Akute Pankreatitis 5 33
<b>Bildgebung (Anteil der Patienten, %)</b>
Diffuse Schwellung 40 20
Fokale Befunde 60 85
IgG4<br><br><br><br> erhöht (im Serum)<br><br>IgG4-positive Plasmazellen im Infiltrat keine Assoziation<br><br><br><br>
IgG4 IgG4-positive Plasmazellen im Infiltrat
Weitere Organbeteiligung 50 % 40 %
keine Assoziation mit CED CED 16 %
Prognose 15-65 % Rezidive wenig Rezidive