Der Diagnostische Pfad

Labor 28 wird Ihnen Diagnostische Pfade zu wichtigen Fragestellungen zur Verfügung stellen. Wir möchten damit einen Beitrag leisten, um Ihnen die Versorgung Ihrer Patienten zu erleichtern. Vorerst sind monatliche Veröffentlichungen geplant. Gleichzeitig werden Ihnen die Ärzte des Labors 28 in Fortbildungsveranstaltungen Diagnostische Pfade vorstellen. Die Diagnostischen Pfade sollen im Dialog mit Ihnen entstehen und weiterentwickelt werden. Es sind jährliche Aktualisierungen vorgesehen. 

Worin unterscheidet sich der Begriff Diagnostischer Pfad von anderen Begriffen, wie Stufendiagnostik oder Algorithmus?

Der Diagnostische Pfad ist als Teil eines Klinischen Pfades zu verstehen (s. Abb. 1). Die ersten Klinischen Pfade stammen aus dem Pflegebereich und wurden 1985 im Boston New England Medical Center entwickelt. Ab 1990 wurden Klinische Pfade erstellt, die den gesamten Krankenhausaufenthalt eines Patienten von der Aufnahme bis zur Entlassung beschreiben. Ein Vorreiter war das St Vincent‘s Public Hospital Sydney in Australien. Mit Einführung der DRG (Diagnosis Related Groups) rückten Klinische Pfade auch in Deutschland in den Vordergrund und wurden für standardisierbare Abläufe wie eine Cholezystektomie eingeführt.

Abbildung 1: Klinischer Pfad
Abbildung 1: Klinischer Pfad

Ein Klinischer Pfad ist ursprünglich ein Rahmenkonzept zur Beschreibung und Lenkung aller medizinischen Leistungen während eines Krankenhausaufenthaltes. Er bezieht sich auf eine Patientengruppe und sollte berufsgruppenübergreifend und ggf. interdisziplinär sein. Ziel ist eine Standardisierung diagnostischer und therapeutischer Maßnahmen. Man erhofft sich eine Verkürzung der Liegezeit, Vermeidung von überflüssigen Maßnahmen und eine Verbesserung der Patientenversorgung. Neuerdings wird versucht, dieses Rahmenkonzept auch auf den ambulanten Bereich zu übertragen.

Vor diesem Hintergrund sind Diagnostische Pfade als labormedizinische Standards im Rahmen Klinischer Pfade zu verstehen. Ein Diagnostischer Pfad dient dazu, die Diagnose zu untermauern oder den Therapieverlauf zu kontrollieren. Häufige Fragestellungen, auch aus dem ambulanten Bereich, dienen als Schwerpunkte für die Auswahl Diagnostischer Pfade. Am Ende eines Diagnostischen Pfades sollte möglichst eine Diagnose bzw. eine Handlungsoption stehen (s. Abb. 2). Die Auswahl der Messgrößen sollte unter Berücksichtigung einer Kosten-Nutzen-Analyse erfolgen.

Abbildung 2: Diagnostischer Pfad
Abbildung 2: Diagnostischer Pfad

Wie entwickelt Labor 28 einen Diagnostischen Pfad?

Zunächst wird eine Auswahl getroffen, für welches medizinische Gebiet ein Diagnostischer Pfad sinnvoll sein könnte. Beispiele hierfür sind Leitlinien der Fachgesellschaften, Diagnosen mit besonderem Laboranteil (z. B. Schilddrüse, Niere, Hypertonus), auffällige Laborwerte beim Screening (z. B. a PTT ↑, Leberenzyme ↑), Erkrankungen, die bisweilen übersehen werden (Eisenmangel, Vitamin B12-Mangel) oder häufige Anfragen  der zuweisenden Kollegen. Daran schließt sich eine intensive Recherche mit Berücksichtigung von Leitlinien, Reviews und neuesten Publikationen an. Ebenso fließt unsere langjährige laborärztliche Erfahrung mit ein. Danach werden die Entwürfe mit klinisch tätigen Kollegen diskutiert, auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft und dann finalisiert. Erst dann erfolgt die Aussendung an unsere Einsender (s. Abb. 3).

Abbildung 3: Entwicklung eines Diagnostischen Pfades
Abbildung 3: Entwicklung eines Diagnostischen Pfades

Welche zusätzlichen Maßnahmen sind geplant?

Wir wollen die Diagnostischen Pfade einmal jährlich aktualisieren, damit Sie ein verlässliches Instrument zur Verfügung haben. Die Anwendung der Diagnostischen Pfade soll durch sinnvolle Stufendiagnostik in der elektronischen Auftragserfassung (star.net®) unterstützt werden. Zweimal jährlich werden wir Fortbildungsveranstaltungen durch unsere Laborärzte und ggf. Gastreferenten zum Themenschwerpunkt Diagnostische Pfade anbieten.

Der Dialog mit Ihnen ist uns ein besonderes Anliegen. Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung, wenn Sie Anregungen oder Verbesserungsvorschläge zu unseren Pfaden haben.

Abbildung 4: Beispiel Arthritis
Abbildung 4: Beispiel Arthritis

Welche Chancen sehen wir in der Anwendung der Diagnostischen Pfade?

Wir führen eine fachliche Klärung im Sinne einer übersichtlichen Stufendiagnostik unter Berücksichtigung von Leitlinien, aktuellen Publikationen und Kosten-Nutzen-Analyse durch. Neuere Messgrößen mit noch nicht vollständig geklärter Aussagefähigkeit sollen eher nicht berücksichtigt werden.

In der Betonung einer Diagnosestellung sehen wir einen wichtigen Beitrag für Ihre Patientenversorgung. Die grafische Darstellung sorgt für Übersichtlichkeit und ist somit didaktisch und eine medizinisch sinnvolle Unterstützung für die einsendenden Ärzte: eine überflüssige Diagnostik wird vermieden, wesentliche Messgrößen werden nicht übersehen.

Literatur:
Hofmann W. et al. Klinikhandbuch Labordiagnostische Pfade.
Einführung - Screening – Stufendiagnostik
De Gruyter, 2012