Diagnostik der Hühnereiallergie mit molekularen Allergenkomponenten (Haushuhn: lat. Gallus domesticus)

Die Sensibilisierung gegen Hühnerei betrifft v. a. Säuglinge und Kleinkinder mit einer Prävalenz von ca. 2‑3 %. Sie nimmt aufgrund einer ausgeprägten Tendenz zur Toleranzentwicklung bis auf 0,1 % zum Erwachsenenalter hin ab. 

Ursächlich sind meist Bestandteile des Hühnereiweißes; hierbei sind in erster Linie die folgenden diagnostisch zur Verfügung stehenden molekularen Allergenkomponenten zu nennen:

Ovomucoid (Gal d1 [f233], Majorallergen, 10 % des Gesamteiweißes),
Ovalbumin (Gal d2 [f232], 55 % des Gesamteiweißes),
Ovotransferrin
(Gal d3 [f323], 10-15 % des Gesamteiweißes),
Lysozym
(Gal d4 [k208], 3-4 % des Gesamteiweißes),

Unverträglichkeiten gegen Hühnereiweiß bzw. -eigelb können in Form von Urtikaria, gastrointestinalen bzw. respiratorischen Symptomen (Sofortreaktionen) oder als Spätmanifestationen (Ekzem, eosinophile Gastroenteropathie) auftreten.

Bei klinisch-anamnestischem Verdacht auf eine IgE-vermittelte Hühnereiunverträglichkeit, insbesondere bei zusätzlichem Nachweis von spezifischem IgE im Extrakt-basierten Test (Ei [f245] bzw. Hühnereiweiß [f1]), liefert der Einsatz der oben genannten Allergenkomponenten wertvolle diagnostisch-prognostische Hinweise:

Der Nachweis einer Sensibilisierung gegen das hitzestabile Gal d1 lässt unter Berücksichtigung vorhandener klinischer Symptome Unverträglichkeiten von Hühnerei sowohl in roher als auch in stark erhitzter Form (z. B. Backwaren) erwarten. Ein anhaltend hoher Gal d1-Nachweis wird als Marker für eine Persistenz der Hühnereiweiß-Allergie gesehen1.

Sensibilisierungen lediglich gegen die hitzelabilen Komponenten Gal d2, Gal d3 oder Gal d4 lassen Unverträglichkeiten nur von rohem oder leicht erhitztem Eiweiß erwarten.

Als Besonderheiten zu nennen sind:

Da Ovalbumin (Gal d2) Basis mancher Impfstoffe ist, können Gal d2-Sensibilisierungen allergische Reaktionen auf beispielsweise Influenza- bzw. Gelbfieberimpfungen hervorrufen, während Lysozym (Gal d4) als Zusatz von bestimmten pharmazeutischen Produkten oder Nahrungsmitteln (z. B. Käse, Wein) hier Unverträglichkeiten bedingen kann.

In ca. 20-30 % der Fälle von Sensibilisierung gegen Hühnerei wird eine Kreuzreaktivität zwischen Hühnerei und Hühnerfleisch (Extrakt-Test: f83) beschrieben, deren Grundlage eine Sensibilisierung gegen Eigelb (f75) sein soll, die auch Hühnerfleisch-Unverträglichkeiten hervorrufen kann.

Da auch Kreuzreaktionen zwischen Eiallergenen und Inhalationsallergenen (Serumalbumin) von Vögeln möglich sind, können bei Hühnereiallergikern Symptome bei Exposition mit Vogelfedern und Staub auftreten (Vogel-Ei-Syndrom).

Literatur:

  1. Trautmann A, Kleine-Tebbe J: Nahrungsmittelreaktionen, in: Allergologie in Klinik und Praxis, S. 283 ff; 2. Auflage, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2013