6. Vorgehensweise bei Stichverletzung

6.1 Verhütung von Stichverletzungen durch Kanülen

  • Nie! Kanüle in Schutzhülle zurückstecken, gebrauchte Spritzen/Kanülen nie offen liegen lassen
  • kein manuelles Entfernen der gebrauchten Kanüle von der Spritze
  • geeignete Entsorgungsbehälter verwenden (durchstichsicher)
  • Entsorgungsbehälter zum Patienten mitnehmen (nicht mit der Spritze bzw. Kanüle zum Behälter in einen anderen Raum laufen)
  • Behälter nicht überfüllen und nie in den Behältergreifen (Nadel verklemmt? Bitte schütteln!)

Reinigungspersonal ist entsprechend anzuweisen

  • spitze Abfälle nicht entsorgen oder anfassen und nicht in Abfallbehälter greifen
  • Abfallsäcke nicht mit den Händen zusammendrücken und nicht direkt am Körper transportieren

Wenn es doch passiert: Die Dokumentation

  • Art der Verletzung (Stich, Schnitt, Tiefe etc.)
  • Ort und Zeitpunkt
  • Mögliche Infektionsquelle (Indexpatient bekannt? Infektionsstatus bekannt?)
  • Impfstatus des Verletzten
  • Ergriffene Maßnahmen

6.2 Untersuchungsprogramm bei mutmaßlicher HBV-, HCV- oder HIV-Inokulation

1. (Kanülen-) Stichverletzung/ Kontamination mit Blut von unbekanntem Infektionsträger

  • Anti-HBc, Anti-HBsentfällt, wenn der Verletzte gegen Hepatitis B geimpft ist
  • Anti-HCV
  • Anti-HIV

Dieses Untersuchungsprogramm erfolgt

  • direkt nach dem Kontakt/ der Verletzung
  • nach 6, 12 und 26 Wochen

2. Verletzungen/ Kontamination mitsicher Hepatitis B-positivem Infektionsträger

  • Aktive und passive Immunisierung einleiten, sofern der Versicherte nicht gegen Hepatitis B-Virus geimpft ist. Kosten für die erste Dosis übernimmt die BGW. Die weiteren aktiven Gaben müssen zu Lasten des Arbeitgebers erfolgen.

3. Verletzungen/ Kontamination mit sicher Hepatitis C-positivem Infektionsträger

  • 2-4 Wochen nach dem Ereignis HCV-RNA-PCR (zur Frühdiagnostik)

4. Kanüle/ Blut/ Körperflüssigkeit stammt von möglicherweise oder sicher HIV-positivem Patienten

  • Postexpositionsprophylaxe (PEP) anbieten bzw. einleiten, Kosten der ersten Dosis trägt die BGW

Bitte beachten:

  • Bei Blutkontakt keine Kostenübernahme für eine Hepatitis A-Serologie (fäkal-orale Übertragung!)
  • bei Kontakt mit Stuhl/ Urin keine Kostenübernahme für Hepatitis B- und Hepatitis C-Serologie (keine Infektionsgefährdung!)
  • keine Kostenübernahme für Hepatitis B-Serologie, wenn der Versicherte vor weniger als 5 Jahren erfolgreich gegen Hepatitis B geimpft wurde (Impfschutz vorab erfragen!)
  • liegt zum Zeitpunkt einer Stichverletzung / eines Blutkontaktes mit potenziell HBV-haltigem Material die Grundimmunisierung länger als 5 Jahre zurück, so werden die Kosten für eine Dosis Hepatitis-B-Impfstoff auch vor Ablauf von 10 Jahren nach erfolgreicher Impfung übernommen, unabhängig von dem aktuellen Titer. Als HBV-haltig gilt: HBsAG-positives Material – z. B. Blut oder Material, bei dem eine Kontamination wahrscheinlich, eine Testung aber nicht möglich ist – z. B. Kanüle im Abfall.

Quelle: Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienstund Wohlfahrtspflege BGW, 02/2008

Regeluntersuchungsprogramm nach Stich- und Schnittverletzungen

"Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, kurz BGW, ist die gesetzliche Unfallversicherung für nicht staatliche Einrichtungen im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege. (...) Die Prävention von Arbeitsunfällen, Berufskrankheiten und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren ist die vorrangige Aufgabe der BGW."

In folgendem PDF-Dokument gibt die BGW einen kurzen und prägnanten Überblick zum "Regeluntersuchungsprogramm nach Stich- und Schnittverletzungen (II)"