Wichtige Informationen bezüglich der Qualität von Messungen (Angaben zur Messunsicherheit)

Analysenergebnisse können nicht 100 % perfekt sein! Wir hoffen, dass Sie das nicht allzu sehr überrascht. Um die Streuung der möglichen Ergebnisse zu beschreiben, wird der Begriff der Messunsicherheit verwendet.

In jedem Abschnitt der Analyse - von der Probenentnahme bis zur abschließenden Messung - treten Abweichungen vom wahren Wert auf, weil die Messbedingungen schwanken. Wir ergreifen Maßnahmen und führen regelmäßig Kontrollen durch, um zu gewährleisten, dass diese Abweichungen und Schwankungen zusammen genommen gering genug sind, um sicherzustellen, dass das Endergebnis dem wahren Wert möglichst nahe kommt.
Sie können uns helfen, indem Sie uns Besonderheiten bei der Präanalytik und den Zeitpunkt der Probennahme mitteilen. Wir beraten Sie gerne in allen Fragen bezüglich der Probennahme. Wichtige Informationen zur Präanalytik finden Sie auch in diesem Leistungsverzeichnis, alphabetisch unter der Messgröße, die Sie untersuchen wollen sowie im umfangreichen "Laborhandbuch Präanalytik", die wir Ihnen gern zur Verfügung stellen.

Die Genauigkeit der Ergebnisse muß für den medizinischen Zweck angemessen und möglichst hoch sein, soweit die Kosten-Nutzen-Relation dies zulässt.

Bei vielen medizinischen Fragestellungen ist es entscheidend, ob ein Grenzwert überschritten ist. Bei den Messgenauigkeiten, die im medizinischen Labor zu erreichen sind, kann beispielsweise in einer Patientenprobe ein Wert gemessen werden, der knapp unterhalb dieser Grenze liegt. Bei einer zweiten Messung aus der gleichen Patientenprobe mit dem gleichen Testsystem kann das Ergebnis knapp über der Grenze liegen. In der Regel hat deshalb ein Messwert, der knapp oberhalb eines Referenzwertes liegt, die gleiche medizinische Bedeutung wie ein Messwert, der knapp unterhalb der Referenzgrenze liegt.

Es ist unter noch so optimalen Bedingungen nicht zu realisieren, dass aus einer Probe zweimal exakt der gleiche Wert gemessen wird. Der Arzt, der unseren Laborwert beurteilt, muss also informiert sein, welche Messunsicherheiten zu erwarten sind.
Im medizinischen Labor ist ein Maß für die Variabilität einer Untersuchung der Variationskoeffizient VK (VK = Standardabweichung dividiert durch Mittelwert multipliziert mit 100).  So fordern z. B. die Richtlinien der Bundesärztekammer zur Qualitässicherung von 2001 bei bestimmten Verfahren bestimmte VK's, die bei der Qualitätskontrolle berücksichtigt sind. Dies sind  z. B. beim Kalium einen VK von unter 2,5 %, bei Glukose unter 5 %, bei Harnsäure unter 4 %, bei IgM unter 8 %, bei Medikamenten wie Theophyllin unter 8 %. Bei einigen wenigen Messgrößen muss sogar mit einem Variationskoeffizient von bis zu 20 % gerechnet werden, da auf dem Markt keine Testkits mit besseren Variationskoeffizienten existieren. Hierbei achtet das Labor darauf, dass Methoden mit möglichst niedrigem VK im Einsatz sind. Falls Sie Fragen bezüglich der Genauigkeit unserer Messungen haben, zögern Sie bitte nicht, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

Wir möchten Ihnen die Unterschiede zwischen einem VK von ca. 5 % und einem VK von ca. 10 % an zwei Beispielen veranschaulichen: Im ersten Beispiel wird der Parameter A mit immer dem gleichen Patientenserum an 20 Tagen gemessen. Aus diesen 20 Ergebnissen wird der VK (und Mittelwert) berechnet. Bei dem in diesem Beispiel errechneten VK von 5,7 % streuen die Messwerte des Patienten zwischen 107 bis 140 mg/dl (x=121), d. h. sowohl der Messwert von 107 als auch von 140 ist richtig gemessen! Im zweiten Beispiel beträgt der Mittelwert des Parameters B 303 µg/dl. Bei einem errechneten VK von 9,5 % streuen hier die Messwerte zwischen 239 und 358 µg/dl, d. h. sowohl der Wert von 239 als auch derjenige von 358 ist richtig gemessenen und hat die gleiche diagnostische Bedeutung!

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A 122 115 114 120 130 122 118 123 107 140 117 119 118 120 113 123 129 119 123 123
B 286 315 286 346 308 277 239 358 279 271 352 280 296 309 290 299 344 320 311 320