September 2025: Neue S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom (KRK) und der Stellenwert des iFOBT
In Deutschland ist das kolorektale Karzinom bei Frauen die zweithäufigste und bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei ca. 75 Jahren (Frauen) bzw. bei 71 Jahren (Männer).
BIRGIT HOLLENHORST

Um das Risiko eines kolorektalen Karzinoms zu vermindern, wird übergewichtigen und adipösen Menschen regelmäßige körperliche Aktivität und eine Gewichtsabnahme empfohlen. Dabei ist die Assoziation für adipöse Menschen deutlich ausgeprägter als für übergewichtige (88 % gegenüber 32 % Erhöhung). Eine ballaststoffreiche Ernährung (z. B. Gemüse und Obst) sowie eine Ernährung reich an Vollkornprodukten, pflanzlichen Lebensmitteln, Milchprodukten (Calcium) und arm an hochverarbeiteten Lebensmitteln sowie prozessiertem und rotem Fleisch reduziert das Risiko.
Raucher haben ein etwa 15 bis 20 % erhöhtes Risiko. Ehemalige Raucher haben nach 25 Jahren des Nichtrauchens wieder dasselbe Risiko wie Personen, die nie geraucht haben. Je höher der Alkoholkonsum, desto größer ist das Risiko für ein kolorektales Karzinom: Etwa 40 g Alkohol täglich – das entspricht rund einem Liter Bier oder einer halben Flasche Rotwein – steigern das Risiko um 25 %.
Die Inzidenz des kolorektalen Karzinoms nimmt ab einem Alter von 50 Jahren zu, daher wird ab diesem Alter ein Beginn der Vorsorge bzw. Früherkennung für die Allgemeinbevölkerung empfohlen. Für Personen mit erhöhtem KRK-Risiko gelten gesonderte Empfehlungen (siehe Risikogruppen – hereditäres/familiäres Kolorektales Karzinom).
Der zusätzliche Gewinn an Lebensjahren durch die Fortsetzung des Screenings nach dem 75. Lebensjahr wird als sehr gering eingestuft. Bei entsprechender Lebenserwartung und fehlender Komorbidität kann aber individuell eine Fortführung der Darmkrebs-Vorsorge/-Früherkennung erwogen werden, wobei neben Begleiterkrankungen auch die Zahl der bislang durchgeführten Koloskopien, der Abstand zur letzten Koloskopie und das Intervall seit der letzten Polypektomie berücksichtigt werden sollten.
Eine Möglichkeit zur Feststellung eines erhöhten Risikos besteht in der Verwendung standardisierter Fragebögen in der hausärztlichen Praxis im Alter von 35 Jahren im Rahmen der zu diesem Zeitpunkt angebotenen Check-up-Untersuchung.
Bewährte Verfahren für die Darmkrebs-Vorsorge Ab 50 Jahren
- Koloskopie alle 10 Jahre oder
- Sigmoidoskopie alle 5 Jahre oder
- immunologischer Test auf okkultes Blut im Stuhl (iFOBT) alle 1 bis 2 Jahre
Die komplette Koloskopie besitzt die höchste Sensitivität und Spezifität und gilt als Goldstandard. Gesetzlich versicherte Männer und Frauen haben ab einem Alter von 50 Jahren Anspruch auf eine Koloskopie (seit April 2025 gilt für Frauen eine abgesenkte Altersgrenze von 54 auf 50 Jahre). Ihr Vorteil besteht darin, dass auch nichtblutende Karzinome und Adenome mit hoher Sensitivität nachgewiesen werden können. Durch die Abtragung von Adenomen kann die Entstehung von Karzinomen verhindert werden.
Kolorektale Adenome sollen vor der Resektion nach ihrem makroskopisch-endoskopischen Aspekt beurteilt und anhand von Klassifikationsystemen (Morphologie, Gefäßarchitektur, Oberflächenmuster, Größe und Lage) eingeordnet und beschrieben werden. Bei makroskopisch vollständiger, histologisch jedoch nicht bestätigter Abtragung von Adenomen mit einer Größe von 4 bis 20 mm wird eine Kontrolluntersuchung nach zwölf Monaten empfohlen.
Nach unauffälliger Koloskopie im Rahmen der Vorsorge bzw. Früherkennung wird bei asymptomatischen Personen ohne erhöhtes KRK-Erkrankungsrisiko in den folgenden zehn Jahren weder ein iFOBT und noch ein anderes Verfahren zur Darmkrebs-Vorsorge bzw. Früherkennung empfohlen.
Die Teilnahmerate in der Bevölkerung ist für den iFOBT deutlich höher als für die Koloskopie, da er leicht und ohne mögliche Komplikationen durchzuführen ist. Ab dem 50. Lebensjahr kann bei gesetzlich versicherten Frauen und Männern alle zwei Jahre ein iFOBT durchgeführt werden, sofern sie sich gegen eine Koloskopie entscheiden. Das kolorektale Karzinom und zum Teil auch Adenome bluten häufiger als die gesunde Darmschleimhaut.
Im Labor 28 wird der iFOBT als vollautomatisierter quantitativer Latex-Agglutinationstest mit turbidimetrischer Messung durchgeführt. Der Test hat einen Schwellenwert von 10 µg Hb/g Stuhl. Laut einer niederländischen Studie liegt bei diesem Cut-off-Wert die Sensitivität bei 88 % und die Spezifität bei 91 % für das KRK, für fortgeschrittene Adenome liegt die Sensitivität bei 35 % und die Spezifität bei 93 %. Der iFOBT wird nicht durch Ernährung oder Medikamente beeinflusst, es muss lediglich eine Stuhlprobe abgegeben werden.
Den Stuhltest erhalten die Patientinnen und Patienten von der Ärztin bzw. dem Arzt, der die Früherkennungsuntersuchung durchführt. Die Rückgabe an die Praxis sollte möglichst noch am Tag der Stuhlabnahme, spätestens am nächsten Tag erfolgen. Bei Frauen sollte vor Probennahme eine Menstruation zuverlässig abgeschlossen sein. Wurde mit dem iFOBT Blut im Stuhl nachgewiesen, sollte eine vollständige Koloskopie folgen, da ein KRK nicht kontinuierlich, sondern meist nur intermittierend blutet. Die regelmäßige Durchführung eines Stuhltests senkt das Risiko, ein Karzinom zu spät zu entdecken.
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Literatur
- S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Version 3.0, Stand: 01.09.2025. AWMF-Registernummer: 021-007OL.
- de Wijkerslooth TR, et al. Immunochemical fecal occult blood testing is equally sensitive for proximal and distal advanced neoplasia. Am J Gastroenterol. 2012;107(10):1570–1578.